Versöhnung als kollektive Herausforderung nach zwei Diktaturen in Folge
50 Teilnehmer und Referenten beschäftigen sich am Samstag 28.2.2026 mit dem Wesen einer versöhnlichen Erinnerungskultur. Cornelia Stieler, Waldakademie Machern, brachte dabei eine psychohistorische Perspektive zur Geltung. Was macht es mit Menschen, wenn sie sich in einer Diktatur einrichten müssen? Deutlich wurde, dass es für Opfer, Täter, Mitläufer vor allem einen Verlust an Selbstwirksamkeit gibt. Es wurden Schritte besprochen, wie man aus den gelernten Rollen aussteigen kann. Pfarrer Stephan Tischendorf besprach mit den Teilnehmern, welche Hoffnungsbotschaft durch den Blick auf Christus in eine versöhnliche Erinnerungskultur fließen kann.
Die Teilnehmer beschäftigten sich danach mit zwei Bespielen solcher Erinnerungskultur. Ein ehemaliger STASI-IM berichtete im Interview über die Begegnung mit einem von seinen Berichten geschädigten Freund. Besonders aufschlussreich war, wie er als junger Mensch ideologisch von seinem Umfeld aufgebaut wurde, um zu solchem Verrat an Vertrauen bereit zu sein. Der folgende Link zeigt die gesamte Dokumentation in Zusammenarbeit mit der Landesstelle Aufarbeitung beim Landtag Tühringen.
https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/520913/freundesverrat
Ein weiteres Beispiel wurde per Filmdokumentation gezeigt. Die Nachfahren von deutschen Vertriebenen aus einem schlesischen Dort haben sich zusammengetan und Kontakt und Begegnung zu der heutigen Bevölkerung dort, die auch über Vertreibungen dorthin kam, gesucht und gestaltet.
Anschließend konnten sich die Teilnehmer in 6 Gesprächsgruppen über die Anregungen und Fragen nach den eigenen Beiträgen zu einer versöhnlichen Erinnerungskultur austauschen.
In der Schlussrunde wurde betont, dass die sog. Biografiearbeit eine gute Möglichkeit ist, um ein neues Zuhören zwischen Mitläufern und Opfern und ihren Nachfahren zu ermöglichen. Ein neuer Mut, auf Menschen mit Offenheit zuzugehen, die eher auf der Mitläufer- und Täterseite standen ging von dem Tag aus.
Am Abend wurde unter dem Wandfries zum Kommunistischen Manifest auf der Brückenstraße ein Buß- und Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Erfahrungen und Erkenntnisse von Brüchen, Wunden und Verlusten aus vielen Zeitzeugen-Begegnungen aus 3 Jahren Kulturkirchenprogramm flossen in die Gebetstexte ein. Am Symbol des unversöhnlichen Kampfes der Klassen pflanzte der Gottesdienst mit dem Blick auf Christus einen Versöhnungsimpuls ein.


Gebet aus aktuellem Anlaß für unsere zwei Iranischen Freunde, die im Rahmen der Chemnitzer Brückenbauer e.V. beim Tag mitgeholfen haben.

